Leichtathletik — 30. Deutsche Meisterschaften im Halbmarathon

LAV-Langstreckler holen drei Medaillen

Mitten im Ruhrgebiet zwischen stillgelegten Zechen und in Hörweite der Schalke-Arena, fanden dieses Jahr die 30. Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon statt. Mit sehr guten Chancen fuhren neun Langstreckler aus Tübingen nach Westfalen. Diese Chancen wurden auch reichlich genutzt.

Im ersten Rennen der Männer lief Daniel Kittel als einziger Tübinger Starter. Sein Ziel, eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen, hat er mit Bravour erreicht. 1:12:35 lautet seine neue Bestmarke, dabei waren die Bedingungen alles andere als optimal. Böiger Wind, schlechter Asphalt und Anfangs Regen machten doch erheblich zu schaffen. Umso erfreulicher Daniels Leistung.

Im Seniorenrennen, das gemeinsam mit den Frauen gestartet wurde, rannte Werner Bauknecht sein bisher bestes Rennen. Mit fast drei Minuten Vorsprung vor dem zweiten gelang ihm eine Superleistung. Platz eins in seiner Klasse M50 in einer Zeit von 1:14:22. Das war auch gleich der Grundstock für den tollen Erfolg des M50er Teams. Joachim Stuhlinger rannte ebenfalls sein bisher bestes Rennen im LAV-Trikot, schrammte nur haarscharf im Endspurt an seiner ersten Einzelmedaille als Vierter (1:17:31) vorbei. Der dritte dieses Teams, Markus Schmid-Appelrath, wie Stuhlinger erstmals in der neuen Altersklasse, zeigte, welche Leistungen möglich sind, wenn man ein klares Ziel, das eines Deutschen Meisters, vor Augen hat. Seine 1:20:50 trugen zum souveränen Erfolg des Tübinger Teams bei. Mehr als 15 Minuten hatten die drei Vorsprung vor dem Vizemeister.

In der M60 waren erstmals drei Tübinger Starter auf der Strecke, mit Kepler-Gymnasium-Schulleiter Gerhard Oehme (65) erstmals ein Novize bei Deutschen Meisterschaften überhaupt. Walter Johnen kam sogar mit seiner Zeit von 1:29:29 als sechster, Bernhard Revermann knapp dahinter in 1:33:28 als zehnter der M60 ins Ziel. Gerhard Oehme schaffte die Strecke in 1:43:46. Das bedeutete deutscher Vizemeister und die Silbermedaille für die drei 60er aus Tübingen. Alle drei strahlten dabei wie Pennäler um die Wette.

Ausgefallen ist die Mannschaft der Topgesetzten M45er. Seit fünf Jahren holen die Tübinger in dieser Altersklasse immer eine Medaille. Waldemar Schleicher, musste krankheitsbedingt kurzfristig passen. So blieb den beiden gesunden Vertretern Gerold Knisel in 1:20:00 und Neuzugang Hansjörg Wache (1.22:17, neue persönliche Bestzeit) nur die Aufgabe, Tübinger Farben auch in dieser Altersklasse in der Einzelwertung zu vertreten. So wurde aus der sicher locker erreichbaren Team-Medaille (eine Zeit von 1:32:01 für den dritten Mann hätte gereicht) in der M45 dieses Mal nichts.

LAV Tübingen, Gruppenbild
Die LAV-Läufer im Stadion:
Kniend (v.l.): Markus Schmid-Appelrath, Werner Bauknecht, Joachim Stuhlinger,
stehend (v.l.): Walter Johnen, Hansjörg Wache, Gerhard Oehme, Bernhard Revermann, Daniel Kittel und Gerold Knisel (Foto: pr).

Carsten Eich aus Düsseldorf hat es allen gezeigt. Mit 1:04:38 Stunden holte sich der 36-Jährige am Sonntag seinen achten deutschen Halbmarathon-Titel in den letzten zehn Jahren. »Meine Form stimmt«, zog er ein positives Resümee seiner Leistung. Bei den Frauen gab es einen Eklat: Viola Bor, Kenianerin die für Heidelberg startet, gewann das Frauenrennen gegen Favoritin Luminita Zaituc im Endspurt in 1:14:37. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie nachweislich kürzlich an den Kenianischen Großmeisterschaften teilgenommen hat und dadurch ihre Startberechtigung verlor. Dies kam aber erst nach dem Rennen und der Siegerehrung heraus. Zaituc wurde nachträglich zur Siegerin erklärt. Das neu eingeführte Startrecht für ausländische Athleten, die in Deutschland leben und einem deutschen Verein angehören, war sehr umstritten, auch Eich startete mit einer Portion »Wut im Bauch«, was seine Leistung sicher nicht bremste.

— rw