7. Juli 2006: CityLauf Pforzheim 2006

TSV Schwarzenberg —
Abteilung „Drei weiße Kenianer
beim Pforzheimer City-Lauf“

Vorige Woche am Freitag, den 7. Juli 2006 — fast einen Monat nach unserem eigenen Reute-Lauf —, machten sich drei weiße Kenianer aus Schwarzenberg auf die Socken, um beim „CityLauf 2006 Pforzheim“ die ersten drei Plätze unter sich auszumachen. Dazu mussten Jörg, Fred und Sissi lediglich fünfmal schnurstracksgeradeaus die Fußgängerzone rauf- und runterrobben. Kleiner Haken dabei: nach den 10 Kilometern sollte die Stoppuhr möglichst eine Zeit nahe der 30-Minuten-Markierung aufweisen. Leichter gesagt als getan. Also packten wir es an.

Doch bis um 18.20 Uhr offiziell der Startschuss hätte fallen sollen — der Lauf verschob sich um etliche Minuten, die wir eingequetscht inmitten der insgesamt 466 Läufer zu überbrücken hatten —, musste natürlich erst einmal die Anreise bewältigt werden. Manch einer der drei Schwarzenberger Gazellen hatte dazu die 65 km weite Weltreise von Tübingen aus vor sich. Es schien so, als ob er trotz dieser nervenaufreibenden Fahrt ausnahmsweise mal überpünktlich um 17.45 Uhr vor der Schlössle-Galerie ankommen würde (wieso passen sich die anderen Autofahrer nicht seinem Fahrstil an?). Denn dort erwarteten ihn schon verheißungsvoll seine beiden Mitläufer mit den niegelnagelneuen Lauftrikots im „Oranje-Stil“ — also im unauffälligen Orange gehalten, der Hausfarbe des TSV Schwarzenberg. Doch sie mussten schließlich doch ein paar Minütchen länger warten. Denn der Fernreisende „befuhr“ den Fehler, sich einer Vorfahrerin anzuschließen, von der er glaubte, dass sie ebenfalls das „Central Parkhaus Schober“ ansteuern würde. Doch damit lag er knapp daneben. Sie stellte stattdessen ihren Flitzer in der Tiefgarage der Centralklinik ab. Eine Einfahrt zu früh. Kaum hatte er diesen Fehler bemerkt, schloss sich hinter ihm auch schon das Tor. Seinem Verlies entkam er nur über eine Notausgangstür und hatte Glück, dass irgendwann ein Arzt Erste Hilfe leistete und er hinter ihm herausfahren konnte — Geschichten, die das Großstadtleben so schreibt…

Um nicht ganz zu spät zu kommen, musste er nun wirklich seine Socken in die Hand nehmen und zum verabredeten Treffpunkt rennen. Und tatsächlich, seine beiden Mitläufer waren noch nicht davon gelaufen. Nachdem er seine Startnummer in der Schlössle-Galerie abgeholt hatte um nicht als Nullnummer durchzugehen, zog er sich um die Ecke seine Socken an. Und wen traf er da an? Nein, nicht den „New York-ianer“ Matthias P., denn ihn hatte er bereits kurz zuvor angetroffen, sondern — viel schöner noch :-) — eine weiße Kenianerin namens Christine S. Doch leider sollte (oder durfte?) er sie im Verlauf des Laufs ein paar wenige Male nur noch von vorne sehen. Nämlich immer dann, wenn sie sich bereits auf der Gegengeraden befand und somit ihm und den meisten anderen Läuferinnen und auch Läufern unzählige Meter voraus war. Kurzum: mit ihrem vierten Platz unter den Läuferinnen gewann Christine Schleifer als Zwölftplatzierte in 36:08 min die Pforzheim-Wertung.

Damit haben wir natürlich schon kleinlaut verraten, dass unser Plan nicht ganz aufging — nämlich am Ende irgendwo bei der 30-Minuten-Marke anzukommen und somit unsere geringfügig dunkelhäutigeren Kollegen namens Edwin Kibowen, Said Azouzi und Jonathan Koilegei auf die nachfolgenden Plätze zu verweisen. Aber wir gaben unser Bestes! So erreichten wir immerhin unter 364 männlichen Teilnehmern völlig am Ende folgende Resultate:

Gazelle Platzierung
Gesamt
Platzierung
Altersklasse
Platzierung
Männlich
Zeit
min:sek
Jörg 82. 15. (von 52) 75. 42:52
Fred 48. 7. (von 64) 42. 40:39
Sissi 44. 5. (von 40) 38. 40:18

Damit kamen wir also nur denkbar knapp hinter Christine Schleifer im Ziel an — ok, kleiner Scherz, das „Wieselchen“, wie sie sich selbst nennt, war ja wieselflinke vier Minuten schneller als die an diesem Tag schnellste Schwarzenberger Gazelle. Business as usual. Na ja, und dass uns schließlich zehn Minuten zum Sieger des diesjährigen Pforzheimer City-Laufs fehlten, lag einfach daran, dass wir, die weißen Kenianer aus Schwarzenberg, dermaßen kalte Temperaturen einfach nicht gewohnt sind…

Der 26-jährige Edwin Kibowen vom COMNET Team Lörrach lief die 10 km in 30:15 min und hängte somit die beiden nachfolgenden Teamkameraden des LCC Wien um winzige zwei Sekunden ab, die ebenfalls zwei Sekunden voneinander trennte. Schnellste Frau war die 28-jährige Maryna Dubrova in einer Zeit von 34:59 min, ebenfalls vom „Lauf- und ConditionsClub Wien“. Sie konnte den selben Vorsprung vor den zweit- und drittplatzierten „schwarzen Gazellen“ herauslaufen.

Hier noch eine der vielen netten Episoden am Rande, die der Schreiberling dieser Zeilen soooo gerne mag (was Sie sicherlich schon längst erkannt haben, aber, snüff, wahrscheinlich immer überlesen…) und um das Ende des Kapitels „Black is Beautiful“ abzuschließen: mittendrin im Laufpulk fiel ein dunkelhäutiger Lauffreund durch den originellen Aufdruck „Ich bin kein Kenianer“ auf seinem T-Shirt auf. Da hätte er doch wenigstens etwas langsamer laufen können, oder?

Zwei der drei „Reute-Läufer“, die es mit diesem Aufdruck auf ihren neuen Shirts beließen — oder welchen Vorschlag hätten Sie gehabt? Vielleicht „Schwarzenberger Gazellen“, „Die weißen Gazellen aus Klein-Kenia“ oder „Schwarzenberg, das Land der weißen Kenianer“? — gönnten sich nach dem Lauf noch ein oder zwei kleine Weizenbierchen. Der dritte hingegen sah auf die Uhr und machte sich durch den Regen, der kurz vor unserem Zieleinlauf einsetzte, weil wir einfach zu langsam waren, auf & davon, um noch pflichtbewusst ein Stündchen „Musikverein-Probe“ abzubekommen. So stand am Ende, als er wieder zu Hause war und sich endlich einen heißen Kakao reinziehen konnte (er gönnt sich ja sonst nix — trinkt Milch statt Bier!), die Zahl 110 auf seinem Tageskilometerzähler. Und somit war auch dieser lange Tag endlich gezählt!

Ach ja, und bevor auch dieser Bericht endlich gezählt ist, so sei noch geschrieben, dass Sissi eine weitere Läuferin antraf, die ihm überhaupt nicht unbekannt vorkam. Auch sie hatte natürlich vor ihm die Ziellinie überquert, hinter der er sie beim Obststand (esst mehr Vitamine!) zufälligerweise antraf. Ihre erste Bekanntschaft hatte er bei unserem Schwarzenberger Reute-Lauf machen dürfen. Denn dort stand sie ihm ­für zusammengefasste 3:49 min Rede & Antwort. Kurzum: unter www.reute-lauf.de können Sie sich nun endlich, endlich, endlich die schon längst versprochenen „Stimmen zum Lauf“ anhören — darunter also auch die Siegerin unseres Reute-Laufs und die fünftschnellste Frau des Pforzheimer City-Lauf mit einer Zeit von 39:28 min. Herzlichen Glückwunsch, Silke Gohl!

 

Anmerkungen:

Ein klitzekleines bisschen war ich = Webaschtel ja von der Atmosphäre während des Laufs enttäuscht. Dachte, dass in einer solch riesigen Stadt wie Pforzheim die Zuschauer ein ebenso riesiges Spektakel veranstalten würden. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Sekunden — ach was, Minuten! — ich aus lauter Frust verlor, als ich live miterleben musste, wie die Laola-Welle, die der Sprecher zu initiieren versucht hatte, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt verebbte, als sie beinahe auf meiner Höhe angekommen wäre. Aber dies war vielleicht mein Glück. Kaum vorzustellen, wie mich die Zuschauer ausgepfiffen hätten, wenn die Welle nur bis zu mir und nicht weiter vorgedrungen wäre… Aber vielleicht sollte ich es positiv sehen: ich war einfach schneller! Witzchen.

Doch mein ganz persönliches Frustrationserlebnis sollte sich schon in der nächsten Runde umkehren. Da hat doch tatsächlich eine kleine Gruppe von sieben bis zehn Personen versucht, die „Gegentribüne“ etwas in Wallung zu bringen. Nämlich mit der Gestik und dem Gejohle, wie man eine Laola-Welle in Gang bringt. Da blieb mir nichts anderes übrig, als dieser Gruppe zu „antworten“, wenn schon die Zuschauer von der anderen Seite nicht reagierten. Allerdings hätte ich im Eifer meiner „Flatterhand“ und meinem „Gesang“ eine Vorderläuferin beinahe umgelaufen — immerhin, nach einer Schrecksekunde hatte diese lustige Gruppe den Spaß verstanden und „mein Laufspaß“ konnte endlich beginnen…